Auszüge aus "Draußen vor der Tür" von Wolfgang Borchert
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"Und davon sind die Nächte so. So bitter wie Katzengescheiß. So rot, so rot wie Himbeerlimonade auf einem weißen Hemd. Dann sind die Nächte so, daß wir nicht atmen können. Daß wir ersticken, wenn wir keinen Mund zum Küssen und keinen Schnaps zu trinken haben. Bis an den Mond, den weißen Mond, stinkt dann das blutige Gestöhn."
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"Du, du! Wo geht sie hin, du? Wo sind wir? Sind wir noch hier? Ist dies noch die alte Erde? Ist uns noch kein Fell gewachsen, du? Wächst uns kein Schwanz, kein Raubtiergebiß, keine Kralle? Gehen wir noch auf zwei Beinen? Mensch, Mensch, was für eine Straße bist du? Wo gehst du hin? Antworte doch, du Anderer, du Jasager! Antworte doch, du ewiger Antworter!"
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"Ich habe Hunger, du. Mich friert's, hörst du. Ich kann nicht mehr sehen, du, ich bin müde. Mach eine Tür auf, du. Ich habe Hunger! Die Straße ist finster, und alle Türen sind zu."
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"Sei still.
Das Leben ist so:
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"Weiter? Abwärts, meinst du, weiter abwärts! A bas, sagt der Franzose. Ich glaube, der Tod muß ganz erträglich sein. Es ist doch noch keiner wieder zurückgekommen, weil er den Tod nicht aushalten konnte. Vielleicht ist er ganz nett, der Tod, vielleicht viel netter als das Leben. Vielleicht ---"
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"O ja, die Menschen sind gut. Aber manchmal gibt es Tage, da trifft man andauernd die paar schlechten, die es gibt. Aber so schlimm sind die Menschen nicht. Ich träume ja nur. Ich will nicht ungerecht sein. Die Menschen sind gut. Nur sind sie so furchtbar verschieden, das ist es, so unbegreiflich verschieden."
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"Und der Mörder bin ich. Ich? der Gemordete, ich, den sie gemordet haben, ich bin der Mörder? Wer schützt uns davor, daß wir nicht Mörder werden? Wir werden jeden Tag ermordet und jeden Tag begehen wir einen Mord! Wir gehen jeden Tag an einem Mord vorbei!"
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"Und der Tote
fühlt tief in seinen Traum hinein, daß sein Tod gleich war
wie sein Leben: sinnlos, unbedeutend, grau. Und du - du sagst, ich soll
leben! Wozu? Für wen? Für was? Hab ich kein Recht auf meinen
Tod? Hab ich kein Recht auf meinen Selbstmord? Soll ich mich weiter morden
lassen und weiter morden? Wohin soll ich denn? Wovon soll ich leben? Mit
wem? Für was? Wohin sollen wir denn auf dieser Welt! Verraten sind
wir. Furchtbar verraten.
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